Ganzes Dokument anzeigen
Anmerkungen zum Opferentschädigungsgesetz (OEG) und zur Gewaltentwicklung in Deutschland
Einleitung
Rechtliche Entwicklung des OEG
Neue Opfertatbestände
Der sogenannte Schockschaden
Opferschutzstiftung in Baden-Württemberg
Welche Bedeutung hat das Opferentschädigungsgesetz aufgrund der Gewaltentwicklung in Deutschland ?
Gewalt an den Schulen
Das Gewaltschutzgesetz
Der Umgang mit sexueller Gewalt und deren Darstellung im Internet
Europameister der Angst

Europameister der Angst

In diesem Zusammenhang ist ohnehin nicht mehr verwunderlich, dass nach dem Ergebnis einer europäischen Umfrage die Deutschen zusammen mit den Schweizern die Europameister der Angst sind. Gerade in den Ländern mit dem höchsten Wohlstand gibt es die meiste Angst vor der Zukunft. Vielleicht ist es eben auch die Angst vor Gewalt in unserem unmittelbaren Bereich.

Um dieses Phänomen wenigstens in Ansätzen zu begreifen, bedarf es unbedingt eines Blickes in unsere Familien, genauer auf unsere Kinder:

Die Situation unserer Kinder

Was spielt sich in unseren Familien eigentlich ab ?

Der Deutsche Lehrerverband hat sich im Mai des letzten Jahres mit einem dramatischen Appell an die Eltern gewandt, da eine explosionsartige Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten an den Schulkindern zu registrieren ist, die eine vernünftige Wissensvermittlung nicht mehr zulässt. Aber gerade in einer Zeit, in der allgemeingültiges Wissen über den persönlichen und gesellschaftlichen Status mehr als bisher entscheiden wird, wäre eine neue Bildungsoffensive dringend notwendig. Auch deshalb, da auf die Schulen erhebliche neue Aufgaben von der Computerkunde bis zur Ernährungslehre zukommen.

Eine Bildungsoffensive ist aber nur möglich und sinnvoll, wenn die Eltern durch aktives Erziehen mitwirken und die Kinder auch in der Lage sind, zusätzliche Lernanforderungen auch zu kompensieren. Tatsache ist aber nun, dass unsere Kinder unter einer erheblichen körperlichen und seelischen Vernachlässigung leiden. Sprachheilpädagogen notieren alarmierende Sprachstörungen bei rund 20% der Erstklässler. Deutsche Schulkinder gehören nach einer Studie der WHO (Weltgesundheitsorganisation) aus dem Jahre 1998 zu den müdesten in Europa. Die Erklärung ?

Aus meiner persönlichen Betrachtung der gesellschaftlichen Entwicklung sehe ich die Gründe für die fatale Fehlentwicklung in Deutschland in den folgenden Bereichen:

  • Hoher Fernsehkonsum,
  • Gebrauch psychoaktiver Substanzen,
  • mangelnde Bewegung und Depressionen
  • sowie eine eklatante Fehlernährung infolge des Fast Food Verhaltens.

In der ZEIT stand hierzu vor einigen Monaten ein Artikel unter der Überschrift die „Elternkatastrophe“. Es ging dabei um die Frage, welchen Anteil an der geschilderten Fehlentwicklung nun tatsächlich die Verhaltensweisen der Eltern haben. Tatsache ist nun einmal, dass in vielen Familien die einzigen kulturellen Anregungen sich auf das Dauerfernsehen, im Durchschnitt täglich über 3 Stunden, beschränken. Wo sehen unsere Bildungspolitiker die Lösung ?

Die Einführung flächendeckender Ganztagsschulen ist das neue Schlagwort. Ein solcher Weg würde aber nur von der Erziehungskrise in unseren Familien ablenken. Eine Langzeitstudie in den USA hat gezeigt, dass eine lange Fremdbetreuung zu gesteigerter Aggressivität führt. Die Ganztagsschule kann für benachteiligte Kinder eine Verbesserung ihrer häuslichen Situation bedeuten. Insgesamt gilt aber, die Zeit in der Familie ist für die spätere Entwicklung von entscheidender Bedeutung.

Mit der Erhöhung des Kindergeldes oder des Erziehungsgeldes , der Einführung von Ganztagsschulen oder Kinderganztagsbetreuung ist es eben nicht getan. Es geht nur über die Mobilisierung und Aktivierung der Eltern, endlich wieder ihrer Verantwortung ihren Kindern gegenüber bewusst zu werden.

Auch am Ende eines Arbeitstages kann erwartet werden, dass die geforderte Zuwendung über das Aushändigen der Fernbedienung des Fernsehers hinausgeht. Was passiert aber, wenn es die Eltern nicht mehr schaffen, weil sie eben auch „Opfer“ einer enthumanisierten Arbeitswelt sind? Müde, ausgebrannt, selbst suchtgefährdet! Dann wird unsere Gesellschaft keine Zukunft haben, es sei denn, es gibt rigorose staatliche Eingriffe in die Erziehung und Entwicklung unserer Kinder. Womit wir wieder bei der Frage gelandet sind, kann Fremdbetreuung die Probleme unserer Familien und damit unserer gesamten Gesellschaft lösen ? Wir müssen diese Probleme lösen, ansonsten werden wir uns in einem nicht mehr kontrollierbaren Umfang zu einer Gewalt-Gesellschaft entwickeln. Das Opferentschädigungsgesetz kann dann zwar das erlittene persönliche Leid wenigstens mit bescheidenen finanziellen Mitteln lindern, das damit aber verbundene lebenslange Trauma sowie die oftmals zerstörten privaten und beruflichen Träume nicht annähernd ausgleichen. ich persönlich sehe einen wichtigen Ansatz zur Lösung der Gewaltproblematik in unserer Gesellschaft darin, dass insbesondere die Art und die Form der Kommunikation in der Politik, in den Familien, Schulen, Betrieben, Büros und anderen gesellschaftlichen Bereichen eine neue Qualität erhalten müssen. Bei einer Feierstunde des Versorgungsamtes Ravensburg in Weingarten am 3.12.2002 habe ich gesagt:

Ohne gute Kommunikation wird es in Zukunft nicht mehr gehen. Durch Austausch entsteht Vertrauen, Respekt und gegenseitige Hochachtung. Nur durch Vertrauen schaffen wir einen Bereich, in dem wir uns sicher fühlen und wir unsere gemeinsamen Ziele erreichen können und sogar noch viel mehr. Es ist nachgewiesen, dass immer dort wo Vertrauen besteht, die Menschen zu Höchstleistungen motiviert sind, weil sie sich sicher fühlen, keine Angst haben müssen und sich respektiert und anerkannt fühlen. Dies ist oft viel mehr Wert als finanzielle oder andere materielle Anreize. Und letztendlich kommt die Freude an der Arbeit und dem Umgang miteinander uns allen zu Gute ."

Der wahre Pferdeflüsterer Monty Roberts schreibt in seinem neuesten Buch:

“Kommunikation ist der Schlüssel zu unserem Erfolg als menschliche Wesen. Fehlende oder angstmachende Kommunikation führt zu Unzufriedenheit und Isolation.“

Deshalb sollte unser aller Bestreben sein, in einem hohen Maße mit den Mitmenschen zu kommunizieren und gemeinsam Strategien zur Lösung unserer Aufgaben, insbesondere der zunehmenden Gewalt zu finden. Möglicherweise ist die Lösung der Gewaltproblematik noch einfacher. Bei einem im Jahre 1993 an einer Grundschule im hessischen Bad-Homburg bundesweit einzigartigen Projekt, wurde bindend für alle Schüler die tägliche Schulsportstunde eingeführt. Die verblüffenden Konsequenzen dieses wissenschaftlich begleiteten Pilotprojektes:

  • Aggressionen unter den Schülern gingen deutlich zurück
  • Konzentrationsfähigkeit nahm zu
  • Weniger Unfälle und Verletzte
  • Bessere Noten
  • 15 % mehr Schüler mit einer Empfehlung fürs Gymnasium
  • Deutliche Stärkung der sozialen Fähigkeiten.

Diese Erkenntnisse haben inzwischen in einigen Kultusministerien Einzug gehalten. Zwischen Anspruch und Verwirklichung liegen allerdings leider noch Welten. Dabei wäre es, zumindest für die Schüler, doch so einfach. Die Formel lautet: Mehr Sport und Bewegung gleich weniger Gewalt.

Exekutive
Top - News
Vergünstigungen
Vergünstigungen
Wissenwertes
Wissenwertes
Berechnungen
Berechnungen
Exekutive
Exekutive
Legislative
Legislative
Lebensbereiche
Lebensbereiche
Projekt
Projekt
Suche
Suche
Forum
Forum
Hilfe
Hilfe
Sitemap
Sitemap
Haftung
Haftung
Impressum
Impressum
Archiv
Archiv