Aus einer im Internet veröffentlichten Stellungnahme des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport vom 20.2.2000 Nr. 22-6500.20 ist zu entnehmen, dass Gewalt an den Schulen in den letzten 10 Jahren in allen Schularten zugenommen hat, jedoch nicht in einem sehr umfangreichen Ausmaß. Das mag sogar noch stimmen, da an den Schulen tatsächlich die rein körperlichen Gewaltdelikte zumindest nicht zugenommen haben. Besonders alarmierend ist aber, dass bei genauer Betrachtung der Situation an unseren Schulen, zwar die physische Gewalt nicht wesentlich gestiegen sei, dass aber der Großteil der beobachteten Gewalt in Form von
Beleidigungen, Hänseln, Verspotten, Diskriminieren, Rücksichtslosigkeiten und Mobbing
aus psychischer Gewalt besteht. Das heißt, Gewalt existiert an unseren Schulen und nimmt zu. Leichte Gewaltformen sind relativ häufig. Offenbar sinkt die Hemmschwelle einiger Kinder und Jugendlicher, Gewalt zu billigen oder selbst anzuwenden. Eltern und Schüler fühlen sich durch diese Entwicklung unsicher und bedroht. Die psychologische Erfahrung lehrt eindeutig, dass ein junger Mensch, der gerade in seinem wichtigsten Entwicklungsstadium psychische Gewalt erleidet auch später als Erwachsener nicht nur psychische Gewalt sondern oftmals auch physische Gewalt ausüben wird. Ich glaube deshalb, dass gerade an unseren Schulen die Tatsache der vielfältigen menschlichen Erniedrigungen und Enttäuschungen viel zu wenig Bedeutung beigemessen wird.
Laut Aussagen unserer Gesellschaftsforscher liegen die Gründe hierfür ohnehin noch im Dunkeln. Man vermutet wieder einmal, dass die unsicheren Zukunftsperspektiven unserer Kinder und die mangelnde Zeit der Eltern hierfür maßgebend beitragen. Es wird wieder einmal nur vermutet. Erschreckende Tatsache ist aber, dass in Deutschland
jährlich 65 000 Straftaten mit erheblichen Körperschäden im häuslichen Bereich
angezeigt und mindestens ebenso viele Straftaten n i c h t angezeigt werden. Damit sind Straftaten im häuslichen Bereich eindeutig die höchste Zahl an Strafdelikten in Deutschland. Das muss schon nachdenklich machen, zumal unter Psychologen inzwischen wirklich unbestritten ist:
Wer Gewalt erleidet, wird in aller Regel Gewalt auch selber ausüben.